Digitalisierung eines »alten« Geschäfts

16.02.2022 | In eigener Sache

Was versteht man unter Digitalisierung einer Vermögensverwaltung? Dass der Roboter oder die Künstliche Intelligenz alle Anlageentscheidungen trifft, die Kommunikation mit dem Chatbot geführt wird und es nur noch einige wenige Mitarbeiter gibt, die die Systeme überwachen und ihre Funktionsfähigkeit sicherstellen? Mitnichten. Besonders die Vermögensverwaltung ist eine höchst individualisierte und sehr persönliche Dienstleistung, die eine wichtige Komponente beinhaltet: Vertrauen. Gerade diesbezüglich gibt es eine Fülle von Studien, die alle besagen, dass es Menschen schwerfällt, Robotern oder einer künstlichen Intelligenz zu vertrauen. Dennoch ist der Fortschritt, den wir tagtäglich beobachten, keinesfalls zu verteufeln. In unseren Augen ist die Welt im Wandel. Unser aller Leben verschiebt sich immer mehr ins Internet, in Netzwerke, in die Cloud. Das ist bequem, kann ich doch von überall auf der Welt – und sei es nur vom heimischen Sofa – Medien konsumieren, Menschen kontaktieren oder einkaufen. Bei alledem wollen Menschen nach wie vor als Individuum behandelt werden. Die Frage nach dem »Wie?« ist daher durchaus naheliegend und berechtigt. Warum also nicht das Beste aus beiden Welten miteinander kombinieren?

Bei der Frage zur Digitalisierung eines so traditionellen Geschäfts, muss man sich auf verschiedenste Teilbereiche ausrichten. In erster Linie geht es darum, dass intern innerhalb der  Vermögensverwaltungsgesellschaft, Standardprozesse derart digitalisiert werden, dass theoretisch ein Großteil der Mitarbeiter vom heimischen Arbeitsplatz aus arbeiten kann. Es geht hier um die Reduzierung von Papier, die Digitalisierung von Kundenakten und die Schaffung einer Infrastruktur, die die Teamkommunikation vereinfacht, beschleunigt und trotz räumlicher Abstände die Nähe der Teams zueinander sicherstellt.

In zweiter Linie muss dem veränderten Kommunikationsverhalten der Mandanten Rechnung getragen werden. Heute ist es selbstverständlich und ein Hygienefaktor, dass Informationen rund um die Uhr von allen Endgeräten, mobil und stationär, abrufbar sind. Hier geht es vornehmlich darum, den Mandanten ein digitales Frontend anzubieten, dass gleichzeitig unserer Bankenunabhängigkeit Rechnung tragen kann. Das bedeutet, dass man nicht auf einem Bankensystem aufsetzt, sondern völlig frei von der Wahl der Depotbank, eine transparente und verständliche Vermögenseinsicht zur Verfügung stellt, bei der bis in die letzte Ebene sämtliche Portfoliodetails sichtbar werden. Auch gehört hierzu, dass man Mandats- und Kontoeröffnungen vollkommen unabhängig von Ort und Zeit durchführen kann. Dieses so genannte digitale Onboarding ersetzt den Ressourcen verschlingenden Einsatz von Papier und Energie und beschleunigt das »Kunde werden« und fördert das »Kunde bleiben«.

Trotz aller Vorteile welches das Thema Digitalisierung mit sich bringt, vor allem weil es bei diesem Thema keine eindeutigen Trennlinien gibt, sondern es sich viel mehr um ein komplexes Gefüge aus vielen Bereichen unseres täglichen Lebens handelt, muss man immer den Menschen im Mittelpunkt behalten. Daher ist die Essenz der täglichen Arbeit eines Vermögensverwalters weiterhin die vertrauensvolle Kommunikation zwischen Mandanten und Berater. Hier ist wichtig, dass die persönliche Ebene nicht verlassen wird. Menschen wollen mit Menschen kommunizieren. Hier wird man abgeholt. Hier entsteht Vertrauen. Und das ist – bei aller Digitalisierung – das wichtigste Gut eines Vermögensverwalters.