Es gibt keinen Besitz, der Nachlässigkeit vertrüge

15.04.2021 | Anlagen & Finanzen, In eigener Sache

… ganz gleich, wie groß er auch sein mag, ganz gleich, wie lange er schon währt, ganz gleich, wer ihn hütet.

Das lehrt uns die Geschichte. Phasen der Stabilität, wie sie sich oft nach der Überwindung einer akuten Krise einstellen, fördern Instabilität. Auch dies lehrt uns die Geschichte. Wir erliegen der Versuchung, das, was wir vorfinden, linear in die Zukunft fortzuführen, im Guten wie im Schlechten. Dabei verändert sich eigentlich ständig etwas, dessen Folgen wir zumeist erst später wahrnehmen. Die Kapitalmärkte als eine große Komplikation bilden hierbei keine Ausnahme. Auch hier finden ständig bisweilen nicht wahrnehmbare Brüche statt, die uns manchmal schlagartig oder mit einer erheblichen zeitlichen Verzögerung einholen.

Die Krise rund um die Geschehnisse im Zusammenhang mit der Bewältigung des Corona-Virus als ein exogenes Ereignis zeigt eindrucksvoll, wie empfindlich unser globales Wirtschaftssystem reagiert. Als verlässlich empfundene, robuste wirtschaftliche Abläufe mit dem Ziel nach ewigem Wachstum zeigen unerwartet ihre Schwächen. Und die Börsen, gleich einem Resonanzkörper mit all ihren technischen Verstärkern, reagieren mit großer Verunsicherung. Die gängige Reaktion der überwiegenden Zahl der Marktteilnehmer ist eigentlich immer dieselbe.

Es wird teilweise reflexartig entschieden, sich von den noch vor wenigen Stunden als wertvoll geltenden Unternehmen mit einem soliden Geschäftsmodell und einer entsprechenden Substanz zu trennen, egal zu welchem Preis. Langfristige strategische Überlegungen, das eigentliche Fundament für einen Vermögensaufbau und -erhalt werden über Bord geworfen. Im Gegenzug schafft sich eine emotionale Deutung Platz, die nur ein mögliches Szenario zum Maß der Dinge macht. Ein langfristiger Rückgang der wirtschaftlichen Aktivitäten, was im Gefolge einen Niedergang der  unternehmerischen Investitionen nach sich zieht und uns über Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte, in eine wirtschaftliche Depression führt. Aber ist
diese Sichtweise strategisch und damit langfristig klug? Eine Vermögensverwaltung handwerklich für seine Kunden zu führen, ist ohne das Interesse an einer Langfristigkeit gar nicht möglich. Jede Investition fußt auf einer zeitlichen Kombination von klassischer unternehmerischer Langmut und Geduld. Geduld darf dabei nicht missverstanden werden in dem Sinne, dass man sich den temporären Bewegungen der Kapitalmärkte schicksalhaft ausliefert. Geduld ist in diesem Fall das tatkräftige Hinarbeiten auf einen langfristigen Erfolg der Investitionen. Eine kluge strategische Herangehensweise in der Vermögensverwaltung unter Berücksichtigung der individuellen Ansprüche des Vermögensinhabers kann einer taktischen Komponente, selbst mit Glück betrieben, langfristig kaum unterliegen.

Eine Vielzahl der Marktteilnehmer ordnet sich bewusst dem Lager der Optimisten oder Pessimisten zu und stimmt darauf ihr Handeln ab. Dies schließt auch professionelle Berater mit ein. Wir würden der Haltung des Realisten den Vorzug geben. Dabei entbindet uns dies nicht von der Pflicht, die Entwicklungen genau zu beobachten und getroffene Entscheidungen auf ihre strategische Tragfähigkeit stets zu prüfen, eben im Sinne der Verantwortung gegenüber unseren Kunden nicht nachlässig zu werden.