Rekordpreis in Tokio: Warum ein Thunfisch Millionen kostet

13.01.2026 | News aus der Food & Beverage Branche

Anfang 2026 wurde auf dem Toyosu-Fischmarkt in Tokio ein 243 kg schwerer Blauflossen-Thunfisch für 510 Millionen Yen (rund 2,8 Millionen Euro) versteigert und erzielte damit einen neuen Rekord. Die Auktion ist kein Einzelfall, sondern Teil einer jahrzehntelangen Tradition: Der erste Thunfisch des Jahres gilt in Japan als Symbol für Glück, Erfolg und einen starken Start ins neue Geschäftsjahr.

Die extremen Preise erklären sich aus mehreren Faktoren. Blauflossen-Thunfisch zählt zu den begehrtesten Speisefischen weltweit, insbesondere Exemplare aus bestimmten Fanggebieten wie dem Norden Japans. Strenge Fangquoten und ökologische Begrenzungen machen große, qualitativ hochwertige Fische selten. Gleichzeitig bleibt die Nachfrage im Premiumsegment hoch, vor allem für Sushi und Sashimi.

Hinzu kommt der kulturelle und mediale Stellenwert der Auktion. Für renommierte Händler und Restaurantbetreiber ist ein Höchstgebot nicht nur eine wirtschaftliche Entscheidung, sondern auch ein Prestige-Signal. Der Rekordpreis spiegelt daher weniger den alltäglichen Marktwert wider als das Zusammenspiel aus Knappheit, Qualität, Tradition und öffentlicher Aufmerksamkeit.

Gekauft wurde der Thunfisch – wie in vielen Rekordjahren zuvor – von einem der bekanntesten Akteure der Branche: einem großen Sushi-Unternehmer, der mit dem spektakulären Zuschlag vor allem eines erreicht hat – maximale Sichtbarkeit. Der Fisch selbst wird in den Restaurants zwar verarbeitet und verkauft, der wirtschaftliche Ertrag rechtfertigt den Kaufpreis jedoch nicht annähernd. Der wahre Wert liegt im Marketing: internationale Medienberichterstattung, Imagepflege, Markenstärkung und das Signal von Qualität und finanzieller Stärke. Der Käufer investiert also weniger in Fisch als in Aufmerksamkeit, Vertrauen und langfristige Kundenbindung.

Vergleichbare Effekte finden sich auch in anderen Branchen, etwa bei seltenen Weinen, hochwertigen Uhren oder Kunstwerken. In solchen Märkten entstehen Preise, die sich nur begrenzt aus Produktionskosten erklären lassen, sondern stark von Angebot, Symbolik und Zahlungsbereitschaft geprägt sind.

Gerade dieser Punkt eröffnet jedoch eine interessante Perspektive für Investoren. Denn während der spektakuläre Einzelpreis die Schlagzeilen dominiert, findet die eigentliche Wertschöpfung häufig in der Breite statt – entlang stabiler Lieferketten, verlässlicher Nachfrage und wiederkehrender Konsumgewohnheiten. Die Lebensmittelbranche und insbesondere die Basiskonsumgüter haben in den vergangenen Jahren an der Börse lange Zeit unter Druck gestanden: Margenbelastungen durch Inflation, gestiegene Rohstoffpreise und Zurückhaltung der Anleger zugunsten von Technologie- und Wachstumswerten.

Doch die Thunfisch-Auktion zeigt sinnbildlich, was oft übersehen wird: Essen bleibt ein unverzichtbares Gut – in allen Marktphasen. Ob im Luxussegment oder im alltäglichen Konsum, die Zahlungsbereitschaft ist vorhanden, wenn Qualität, Marke und Knappheit zusammenkommen. Viele Unternehmen aus dem Bereich Nahrungsmittel und Basiskonsumgüter verfügen über genau diese Eigenschaften: Preissetzungsmacht, starke Marken, globale Präsenz und stabile Cashflows.

Während spektakuläre Einzelereignisse Aufmerksamkeit erzeugen, wird im Hintergrund konstant und oft sehr profitabel Geld verdient. Für langfristig orientierte Anleger lohnt sich daher ein neuer Blick auf eine Branche, die als langweilig galt – und sich zunehmend als erstaunlich robust, defensiv und ertragreich erweist.